Power Apps in the Jungle of Terminology: Vibe Coding, Code Apps, and Generative Pages Explained

Vibe Coding, Code Apps, Generative Pages: In der Power Platform lässt sich mittlerweile einiges mit KI generieren. Wir haben vier dieser Ansätze in einem Kundenprojekt getestet und zeigen, wo sie sich unterscheiden, wo ihre Grenzen liegen und wie sie im Vergleich zu den etablierten App-Typen und Entwicklungswegen der Power Platform dastehen.

Warum das wichtig ist

Die Wahl des Generierungsansatzes hat praktische Konsequenzen:

  • Wartbarkeit: Kannst du später den Code anpassen, oder brauchst du jedes Mal einen neuen KI-Prompt?
  • Regionen: Manche Features funktionieren nur in bestimmten geografischen Regionen.
  • Deployment: Lässt sich die App zuverlässig von Entwicklung über Test bis Produktion verschieben?
  • Reife: Ist das Feature bereits allgemein verfügbar (General Availability, GA) oder noch in der Preview-Phase? Preview-Features ändern sich häufig.

Die Technologien im Überblick

Bevor wir die Generierungsansätze vergleichen, ein kurzer Überblick über die App-Technologien der Power Platform. Denn Vibe Coding, Claude Code und GitHub Copilot sind keine eigenen Produkte, sondern Wege, um genau diese Technologien zu erstellen:

TechnologieWas ist es?EntwicklungTypischer EinsatzLizenzierung
Canvas AppsLow-Code-Apps mit frei gestaltbarem Layout, per Drag & Drop und Power-Fx-FormelnLow-Code, optional Pro-Code (PCF)Massgeschneiderte interne Apps, mobile Szenarien, pixelgenaue OberflächenIn M365 enthalten (Standard-Konnektoren); Premium für Dataverse
Model-driven AppsApps, die aus dem Dataverse-Datenmodell generiert werden, inklusive Formularen, Ansichten und Geschäftsprozessen; Custom Pages, Generative Pages und Canvas Apps lassen sich einbettenKonfiguration (Schema-first)Strukturierte Geschäftsprozesse, Fallbearbeitung, DatenverwaltungPower Apps Premium
Custom PagesCanvas-basierte Seiten innerhalb einer Model-driven AppLow-Code, optional Pro-Code (PCF)Dashboards und individuelle Seiten in Model-driven AppsPower Apps Premium
Code AppsVollständig in Code (React/TypeScript) entwickelte Power Apps, deployt über die Power Platform CLIPro-CodeApps mit vollem Code-Zugriff, Source Control und CI/CDPower Apps Premium (Preview)
Generative PagesKI-generierte React-Seiten innerhalb von Model-driven Apps, erstellt aus einer natürlichen SprachbeschreibungKI-gestützt (Browser oder Code-first)Individuelle Seiten auf bestehendem Dataverse-DatenmodellPower Apps Premium (Preview)
Power PagesEigenständiges Produkt für öffentliche Websites und Portale mit Dataverse-AnbindungLow-Code + Pro-CodePortale für externe Zielgruppen: Kunden, Partner, BürgerEigenes Lizenzmodell (authentifizierte Nutzer / Kapazität)

Und Vibe Coding? Vibe ist keine eigene App-Technologie, sondern ein KI-Arbeitsbereich im Browser, der Code Apps samt Datenmodell aus Prompts generiert. Claude Code ist entsprechend ein Werkzeug, mit dem sich Code Apps und Generative Pages Code-first entwickeln lassen.

Pro-Code heisst nicht ohne KI: Auch Code Apps und andere Pro-Code-Wege werden heute kaum mehr ohne KI-Unterstützung entwickelt - etwa mit Claude Code oder GitHub Copilot direkt in der Entwicklungsumgebung.

Die vier KI-gestützten Ansätze im Überblick

Damit die Ergebnisse vergleichbar sind, haben wir denselben Anwendungsfall über alle Wege umgesetzt: eine Applikation zur Meldung von Trainingsstunden mit Soll-Ist-Vergleich. Mitglieder erfassen ihre geleisteten Stunden in einem Logbuch, die App zeigt den Fortschritt gegenüber dem Jahresziel sowie die letzten Einträge. Der Fall ist bewusst überschaubar, enthält aber alles, was typische Geschäftsanwendungen ausmacht: Erfassungsformular, Kennzahlen, Listen und ein bestehendes Dataverse-Datenmodell.

1Vibe Coding (vibe.powerapps.com)

Preview USA · AUS · IND · Asien Nur Englisch Kein Code-Editing

Das neue Power Apps Vibe-Erlebnis generiert aus einem Prompt eine komplette Lösung: Plan, Datenmodell und App in einem Arbeitsbereich, ohne dass du eine Zeile Code schreibst.

Unsere Erfahrung aus internen Tests:

  • Schnell einsatzbereit, gute Ideen und brauchbare erste Lösungen
  • Viele Iterationen nötig, bis das Ergebnis passt
  • Bestehende Dataverse-Tabellen werden im Datenmodell-Vorschlag nicht automatisch berücksichtigt (manuelles Hinzufügen ist möglich)
  • Kein direktes Code-Editing: Der Code ist in der Code-Ansicht einsehbar, lässt sich dort aber nicht bearbeiten. Wer die App exportiert und extern weiterbearbeitet, erzeugt beim Re-Deployment eine neue App, die vom Plan getrennt ist.
Wichtig für die Schweiz

Vibe ist aktuell nur in Umgebungen in den Regionen USA, Australien, Indien und Asien verfügbar und nur auf Englisch. In der Default-Umgebung steht das Feature nicht zur Verfügung. Für Projekte mit Schweizer Datenresidenz-Anforderungen scheidet Vibe damit derzeit aus.

Unser Fazit: Ein starkes Werkzeug für Ideation und Prototyping, etwa um Stakeholdern in kurzer Zeit etwas Greifbares zu zeigen. Für produktive Apps mit langfristiger Wartung fehlt der Code-Zugriff.

Mit Vibe Coding generierte App mit Kennzahlen und Logbuch-Formular
Mit Vibe Coding aus einem Prompt generierte App: Kennzahlen, Erfassungsformular und letzte Einträge (Demo-Daten).
Vibe-Arbeitsbereich mit Chat und Code-Ansicht
Der Vibe-Arbeitsbereich: links der Chat, daneben der generierte Code in der Code-Ansicht. Einsehbar, aber nicht editierbar.

2Code Apps via VS Code

Feature-Aktivierung nötig Alle Regionen Voller Code-Zugriff Premium-Lizenz

Code Apps sind derselbe App-Typ, entwickelt aber mit Power Platform CLI, Node.js und VS Code statt im Browser. Damit steht der komplette Code offen, und KI-Tools wie GitHub Copilot oder Claude Code können in der gewohnten Entwicklungsumgebung unterstützen.

  • In allen Regionen verfügbar, es gibt keine Regionssperre
  • Das Feature «Power Apps code apps» muss pro Umgebung im Power Platform Admin Center aktiviert werden
  • Endbenutzer benötigen eine Power Apps Premium-Lizenz
  • Als Solution exportierbar, Standard-ALM greift

Unsere Erfahrung aus dem Praxistest: Wir haben den Logbuch-Anwendungsfall als Code App auf dem bestehenden Dataverse-Datenmodell umgesetzt, mit Claude Code in VS Code über die Skills code-apps-preview:create-code-app fürs Scaffolding und code-apps-preview:add-dataverse für die Anbindung ans Datenmodell. Daraus entstehen typisierte TypeScript-Models und CRUD-Services, danach ist es normale React-Entwicklung.

Unser Fazit: Die reifere Variante des Vibe Codings: gleiche Idee, aber mit voller Code-Kontrolle und ohne Regionssperre. Dafür braucht es ein echtes Entwickler-Setup. Das ist kein Citizen-Developer-Werkzeug mehr. Mit einem KI-Assistenten wie Claude Code sinkt die Einstiegshürde für den Pro-Code-Anteil allerdings spürbar: In unserem Praxistest verging von der Anforderung bis zur ersten Testerfassung.

Code-App-Entwicklung mit Claude Code in VS Code
Der Code-App-Workflow in VS Code: links das generierte Projekt mit Models und Services, in der Mitte der React-Code, rechts arbeitet Claude Code die Schritte von Scaffold bis Deployment ab.
Deployte Code App mit Erfassungsformular in Power Apps
Die deployte Code App in Power Apps: Erfassungsformular mit bedingter Logik, direkt auf den bestehenden Dataverse-Tabellen.

3Generative Pages in Model-driven Apps

Preview USA · GB · AUS · SGP Kein Code-Editing

Generative Pages erzeugen aus einer natürlichen Sprachbeschreibung React-basierte Seiten direkt in einer Model-driven App, inklusive Layout, Komponenten und Business-Logik.

Unsere Erfahrung aus internen Tests:

  • Bestehende Tabellen wurden in unseren Tests nicht immer zuverlässig übernommen
  • Noch spürbar fehleranfällig, mit vielen Wiederholungen im generierten Ergebnis
Verfügbarkeit

Die Browser-Variante setzt eine Umgebung in USA, Grossbritannien, Australien oder Singapur voraus. Für Schweizer Umgebungen ist sie damit ebenfalls (noch) keine Option.

Unser Fazit: Aktuell der am wenigsten ausgereifte Ansatz. Da sich das Feature schnell weiterentwickelt, lohnt sich ein erneuter Test in einigen Monaten. Abschreiben würden wir es nicht.

Generative-Page-Editor im Browser mit Beschreibung und Vorschau
Generative Page im Browser: Beschreibung und Agent-Dialog links, Vorschau der generierten Logbuch-Seite rechts.
Generierte Logbuch-Seite in der Model-driven App
Das Ergebnis in der Model-driven App: generierte Logbuch-Seite mit Demo-Einträgen.

4Generative Pages mit KI-Code-Tools (Claude Code + VS Code)

Unser Favorit Weltweit (Public Cloud) Voller Code-Zugriff Source Control

Derselbe Seitentyp wie in Ansatz 3, aber Code-first entwickelt: mit externen KI-Tools wie Claude Code, lokalem TypeScript/React-Code und Deployment über die Power Platform CLI.

  • Weltweit in Public-Cloud-Umgebungen verfügbar, damit auch für Schweizer Umgebungen nutzbar
  • In unseren Tests gute Ergebnisse bereits nach den ersten Iterationen
  • Bestehende Dataverse-Tabellen werden sauber eingebunden
  • Unpacked Solution Files machen den Ansatz deutlich Source-Control-freundlicher

Unser Fazit: Für uns aktuell der Sweet Spot: die Generierungsqualität der KI kombiniert mit Code-Zugriff, Source Control und bestehendem Datenmodell. Der Preis dafür ist mehr Setup-Aufwand (CLI, Tool-Konfiguration) als beim Browser-Flow.

Entwicklung der generativen Seite mit Claude Code in VS Code
Der Code-first-Workflow in VS Code: Claude Code plant und bearbeitet die generative Seite direkt in der Entwicklungsumgebung, mit Vorschau der Seite «Meine Stunden».
Mit Claude Code entwickelte Seite Meine Stunden
Mit Claude Code entwickelte generative Seite «Meine Stunden»: Zielverfolgung, Einträge und Zertifikate auf bestehenden Dataverse-Tabellen.
React/TypeScript-Code der generativen Seite in der Code-Ansicht
Voller Code-Zugriff: der generierte React/TypeScript-Code der Seite in der Code-Ansicht.

Exkurs: Plan Designer

Neben der eigentlichen App-Generierung lohnt ein Blick auf den Plan Designer (Preview) im Power Apps Maker-Portal. Er setzt eine Ebene früher an: Aus der Beschreibung des Geschäftsproblems generiert er einen Plan mit User Stories und ein Dataverse-Datenmodell und schlägt passende Komponenten vor, etwa Model-driven Apps, Dashboards, Rollen und Prozesse. Das Vibe-Erlebnis (Ansatz 1) führt diese Plan-first-Idee weiter und kombiniert sie mit der direkten App-Generierung in einem Arbeitsbereich.

In unserem Test entstand daraus ein brauchbares Zielbild: Tabellen wie Logbucheintrag und Zertifikat, zwei Model-driven Apps für Erfassung und Zertifikatsverwaltung, ein Auswertungs-Dashboard sowie die zugehörigen Prozesse mit Benutzerrollen. Auch der Plan Designer ist ein Preview-Feature. Verfügbarkeit und Sprachunterstützung sollten vor dem Einsatz geprüft werden.

Plan Designer mit generiertem Datenmodell, Apps und Prozessen
Der Plan Designer im Maker-Portal: links das generierte Datenmodell und die vorgeschlagenen Komponenten (Apps, Dashboard), rechts die Prozesssicht mit Apps und Benutzerrollen.

Die klassischen Ansätze als Baseline

Zum vollständigen Bild gehören die etablierten, nicht-KI-basierten Wege:

  • Custom Pages: Manuell gebaute Seiten in Model-driven Apps, bei Bedarf erweiterbar mit PCF-Komponenten, sei es selbst entwickelt, aus dem Creator Kit des Power CAT Teams oder aus einer PCF-Library. In unseren Tests stabil und vorhersehbar und damit der ideale Benchmark, an dem sich KI-generierte Ergebnisse messen lassen müssen. (PCF muss in der Umgebung aktiviert sein.)
  • Canvas Apps: Volle manuelle Kontrolle über Layout und Logik. Nach wie vor die sicherste Wahl bei komplexen, pixelgenauen oder unüblichen Anforderungen, also genau dort, wo KI-Generierung heute noch schwächelt. Auch hier lässt sich die Entwicklung mit KI beschleunigen: Über Canvas Apps Coauthoring bearbeitet Claude Code den YAML-Quellcode der App direkt in VS Code, synchron zur laufenden Studio-Session - ohne die App in eine Code App umzuwandeln.
  • Model-driven Apps: Schema-first, schnell für strukturierte Geschäftsdaten. Erweiterbar mit Custom Pages, Code Pages, Canvas Apps oder Power-BI-Einbettung.
  • Power Pages: Für externe Zielgruppen (Kunden, Partner, Bürger). Ein eigenes Produkt mit eigenem Lizenzmodell, keine Alternative zu den internen App-Typen.
Custom Page mit Creator-Kit-Komponenten und Donut-Charts
Custom Page mit Creator-Kit-Komponenten (Power CAT): stabile Charts und Fortschrittsanzeige, der Benchmark für KI-generierte Ergebnisse.

Vergleich auf einen Blick

AnsatzRegionenCode-ZugriffBestehende TabellenALMReifegrad
Vibe CodingUSA, AUS, IND, Asien (nur Englisch)Nein (nur Ansicht)Nur manuellEingeschränkt: Export erzeugt eine neue, vom Plan getrennte AppPreview
Code Apps via VS CodeAlle RegionenJaJa (Dataverse)Standard-ALM via Solution-ExportPreview
Generative Pages (Browser)USA, GB, AUS, SGPNeinIn Tests unzuverlässigÜber Solutions (Teil der Model-driven App)Preview
Generative Pages + Claude CodeWeltweit (Public Cloud)JaJaSolutions + Source Control (unpacked Solution Files)Preview, gute Ergebnisse
Custom PageAlle RegionenJa (manuell)FlexibelStandard-ALM via SolutionsStabil
Canvas Apps + Coauthoring (Claude Code)Alle RegionenJa (Power Fx / YAML-Quellcode)Ja (bestehende Datenquellen)Standard-Canvas-App-ALM (Quellcode-Export via PAC CLI)Quellcode-Feature: stabil; Coauthoring-Workflow: neu

Stand: Juli 2026. Verfügbarkeit und Regionen von Preview-Features ändern sich laufend.

Entscheidungs-Roadmap: In fünf Fragen zum passenden Ansatz

Beantworte die Fragen der Reihe nach. Beim ersten «Ja» hast du deinen Ansatz gefunden:

  1. 1. Richtet sich die App an externe Nutzer (Kunden, Partner, Öffentlichkeit)? Ja → Power Pages
  2. 2. Brauchst du nur eine schnelle Demo oder einen Prototyp? Ja → Vibe Coding
  3. 3. Erweiterst du bestehende Dataverse-Tabellen und soll KI die Oberfläche generieren? Ja → Generative Pages + Claude Code
  4. 4. Brauchst du volle Kontrolle über den Code? Ja → Code Apps via VS Code oder Generative Pages + Claude Code
  5. 5. Ist die Oberfläche komplex oder unüblich? Ja → Canvas Apps Nein → Model-driven Apps

Bei Frage 2 gilt die Regionseinschränkung von Vibe Coding (siehe oben); Model-driven Apps sind der verlässliche Standard-Fallback für strukturierte Geschäftsdaten.

Was wir empfehlen

  1. Schnelle Idee validieren / Stakeholder-Demo: Vibe Coding. Aber nicht darauf aufbauen, und nur wenn eine Umgebung in einer unterstützten Region vertretbar ist.
  2. Bestehendes Dataverse-Datenmodell mit KI-generierter UI erweitern: Generative Pages über Claude Code + VS Code. Weltweit verfügbar und in unseren Tests der überzeugendste KI-Ansatz.
  3. Volle Code-Ownership: Code Apps via VS Code.
  4. Garantierte Stabilität für produktive Lösungen: Custom Pages, oder klassisch Canvas beziehungsweise Model-driven, je nach Anforderung.
  5. Externe Zielgruppen: Power Pages.

Ein genereller Hinweis: Fast alle KI-Generierungsfeatures sind Preview-Features. Verfügbarkeit, Regionen und Verhalten ändern sich laufend. Die Regionsliste von Vibe wurde beispielsweise erst im Februar 2026 von «nur USA» auf vier Regionen erweitert. Vor einem Projektentscheid lohnt sich immer ein Blick in die aktuelle Microsoft-Dokumentation oder ein kurzes Gespräch mit uns.

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